SINN oder / und BEDEUTUNG?

(1) Der Artikel kann nicht einfach ins Englische übertragen werden! Es bedürfte dafür eines eigenen Textes, der den Unterschied von dt. SINN und engl. SENSE detailliert herausarbeitet.

zum Thema der Luhmann-Konferenz 2026 in Dubrovnik

Als Einstimmung auf das Konferenzthema „Sinn, Bedeutung mit…“ möchte ich die Unterschiede, wie das Zusammenwirken von Sinn und Bedeutung (zwei Paradoxa) phänomenologisch betrachten. Mir ist bewusst, dass diese phänomenologischen Betrachtungen, dem, wie in der Soziologie beide Begriffe eingesetzt wurden ( Z.B. bei Gerd Sebald „Generalisierung und Sinn“ 2018)und werden nicht unbedingt dienlich ist.

Das retardierende, im Kreis sich drehende Traktathafte des Textes, ist stilistisch dem Paradox geschuldet, dem diese Thematik durchgehend ausgesetzt ist.

Zwischendurch der Versuch, den Unterschied systemtheoretisch zumindest anzureißen.

BEDEUTUNG    –    SINN

Siehe Google: „Der Hauptunterschied – zwischen dem  DEUTSCHEN „Sinn“  und dem englischen „sense“ liegt darin, dass der deutsche Begriff Sinn ein wesentlich breiteres Bedeutungsspektrum abdeckt als das englische sense. Während sense primär auf physiologische Wahrnehmung und Empfindung begrenzt ist, umfasst Sinn zusätzlich die Bereiche Bedeutung, Zweckhaftigkeit, Logik und tiefere Relevanz.“

Bedeutung“, wie in der deutschen Bezeichnung mitklingt verweist auf Deuten, auf eine Zeigebewegung, die auf etwas hinweist und die Welt so in verschiedene „Entwaigkeiten“ (Ambiguitäten)  teilt. 

In Bedeutung schwingt auch Auslegung mit. Bedeutung ist ein Zeigezeichen, das so oder so gelesen werden kann. Damit unterscheidet, trennt es ab, nimmt etwas aus einem Übrigen heraus und macht das Herausgenommen zu einem Etwas, formt somit das Zurückbleibende zu Möglichem. Das seinerseits erst durch das Hindeuten auf etwas, als nicht Abgegrenztes, Bedeutetes, Deutbares, Mögliches ( was noch nicht Objektsein bedeuten muss) angesehen wird.

Bedeutung umschließt in Kommunikation die beiden Seiten, der doppelten Kontingenz. Bedeutung geht nicht in semantiken und lexikalischen bzw. digitalen Auflistungen, Aneinanderreihungen ( auch KI Texte sind nichts anderes als Aneinanderreihungen) auf.

Das Wort Bedeutung wird gerne als paradoxes Konstrukt  wertend verwendet, wodurch es als Besonderes gekennzeichnet ist, sich dabei selbst überhöht und damit vorgibt, sein Eigentliches zu sein. 

Im Sinn ist Sinnlichkeit mitenthalten, über die Wortbedeutung wird auf die Sinne und damit auf die Wahrnehmung und auf Erfahrung Bezug genommen. 

Wache ich auf und öffne die Augen, sehe ich ein Bild in Farben, Helligkeiten, Formen. Ich habe dessen Teile noch nicht benannt, um es sehen und erkennen zu können . Ich sehe das Bild wie einen (eher analoger) Fotoapparat, bin mir bewußt was ich sehe, ohne dessen Bedeutungen im einzelnen aufgerufen zu haben. Es kann sogar sein, dass ich aufwache, die Augen öffne und alles sehe, aber nicht weiß, wo ich bin, erst langsam begreife, wo ich mich befinde. Das klar umrissene Bild geleitet mich im Aufwachvorgang und ordnet sich so in ortbare Bedeutungshorizonte ein. 

Was hier bezüglich des Aufwachens beschrieben wird, wäre auf die gesamte sinnliche Wahrnehmung zu übertragen, die nicht voll mit Bedeutung abzudecken ist.

Diese beiläufig erfahrene Holistik der Sinnlichkeit überträgt sich auch auf den Sinnbegriff, behaupte ich! 

Das Phänomen der Synästhesie gehört hierher. Wir haben die Fähigkeit, Tasten, Hören, Riechen, Empfinden, Sehen, Raum- Zeitorientierung, Gleichgewicht usw. voneinander zu trennen, sowie sie aber auch als Einheiten zu erleben. 

Sinn stellt Sinn-Zusammenhänge her, grenzt sich ab, gegen andere Sinneinheiten. Es ist ihm aber nicht möglich sich vom Nichtsinn abzugrenzen, da alle Negation von Sinn sofort zum Sinn wird. 

Der Sinn des Unsinns, kaum ist er ausgeschlossen, ist er schon wieder zurück und im Einflussbereich des Sinns, dem sich, wie dem Teufel nichts, niemand, weder Zeit noch Raum, keine Bedeutung entziehen kann, – 

Außerhalb von Sinn gibt es nicht einmal Nichts

Sinn wird oft besonders hervorgehoben, auf- und  abgewertet, als sinnvoll, als sinnlos, wodurch seine Stille, seine Untergründigkeit, seine Binde- und alles durchdringenden Überzeugungskraft, als So-Seiendes geräuschvoll übertönt wird.

Innerhalb von Sinn gibt es auch Widerstrebendes, Abgegrenztes, mit unterschiedlichen Qualitäten ( Bedeutungen) Belegtes. Es gibt aber –  ähnlich, wie auf der gegenwärtigen Weltkarte – kein Niemandsland für den Sinn. 

Innerhalb von Bedeutung gibt es mehr oder weniger bedeutende, abgestufte, gegliederte Bedeutungen. Es gibt sogar Nicht-Bedeutung innerhalb der Bedeutungen. Niemandsland, Wüste, das All, Anderes, Zurückgestelltes, sich der Aufmerksamkeit Entziehendes, Entzogenes, sich Nicht-Ereignendes. Neutrales gibt es ebenso, wie etwas, das auf Bedeutung wartet und Phänomene, die wie ausgelassene Stellen innerhalb der Bedeutungen wirken.

Nicht-Bedeutung muss nicht gedeutet werden, ist so, kann Wahrnehmung, Erfahrung, das Andere, Energie, Kraft, Kontext, Leerstelle, Vergleichbares, usw. sein, das über paradoxe Vorgänge des Vergleichens Bedeutung erlangt. 

Das Potentielle, das Mögliche, Aktualität, Komplexität und deren Reduktion haben Bedeutung. Wo nichts bedeutet, gedeutet werden kann, ist immer noch Sinn.

Situation, Zeitlichkeit, Selektivität, Sequenzierung, Generalisierung, Symbolisierung, Handlung, Erleben, Erfahrung, Wahrnehmung, Wirklichkeit, Realität .. sind Felder, die von Bedeutungen durchpflügt werden. Ihnen wird durch Bedeutung Sinn gegeben. Der nicht erfassbare Rest,  das Gegenteil wird über Sinn gebunden.

Bedeutung haftet an- und ist, für -sich eine Gier, ein Verlangen, ein Streben nach Bedeutung. Dieses Zehren ist eine deutlich bemerkbare Eigenschaft der Bedeutung, im Gegensatz zur schweigenden, unsichtbaren wie überlauten Bindekraft von Sinn.

Luhmann versuchte das Ganze der Bedeutung durch unterschiedliche Beobachtungsstandpunkte zu unterscheiden, über die Frage nach dem Was, Wann, Wie. St. Roth möchte diese drei Standpunkte auf Wer, Wie, Warum usw. ausgedehnt sehen. Er greift damit die Denktradition von Immanuel Kant auf.

Diese Ortungsstandpunkte sind eines der Charakteristika von Bedeutung, die Raum/ Zeit Kategorien und soziale Unterscheidungen ausbilden.  

Sinn lässt sich nicht nur nach faktisch, zeitlich oder sozial, nach dem von wem, wie es zustandekommen ist oder wie er sich begründet ausdifferenzieren. 

Es bedarf des Sinns, damit Sinn entsteht ( ein Paradox !). Sinnkrisen sind Teile des Sinns. Sinnverlust ist Teil von Sinn. 

Prozesshaftigkeit, Veränderbarkeit, sein Wechsel ( zB. in Zeitepochen) wird gerne als Charakteristikum von Sinn angesehen, kümmert dessen Sein aber nicht im geringsten, dessen Logik ist über Metamorphosen, Verwandlungen nicht erfassbar.

Ortungsgsmerkmale sind nicht sein Konstituierendes.

Sinn bringt Tatsachen, Objekte, Zeit, Raum, Prozess, Soziales mittels Bedeutungen hervor. Die Charakteristika von Sinn sind seine  bindende Natur, die sich gelegentlich in radikalster Trennung zeigt.

Bedeutung braucht Kategorien, um sich zu gliedern, um sich zu teilen.  

Die Bindekräfte des Sinns überspannen, untergraben, stellen her, kraft ihrer unmitteltbaren Art zu überzeugen.

Schönheit, Stimmigkeit, Gewissheit, Wahrheit, Glaube, Gemeinschaft, Notwendigkeit, Anschaulichkeit, beispielhaft sein, Symbol-,  Stellvertreter -, Sieger – , Opfer sein, Funktion haben -… sind Bedeutungen des Sinns welche überzeugen.  

Dem Sinn kommen wir nie aus, auch Bedeutungen werden durch ihn gegeben.

Sinn kommt nicht nur aktiv zustande, sondern weit öfter stellt er sich passiv ein und nicht einmal passiv, sondern unbemerkt, unwesentlich, unscheinbar… indem man irgendwo, irgendwann nur dabei ist, dabei war.

Solange in der Soziologie danach gefragt wurde, wie Handlungen ihren Sinn im Sozialen zugewiesen bekommen  (M. Weber, Alfred Schütz), stellt sich die Sinnfrage als Wertfrage. Sobald das Verstehen, wie das Nicht-Verstehen, die doppelte Kontingenz, die Optionalitäten in die Sinnfrage eingeschlossen wurden, bekommt der Sinn andere Dimensionen.

Sobald Verstehen, Missverstehen und Nicht-Verstehen Teil der Sinnfrage wurden, sobald nicht erfüllte, offene Optionen und Erwartungen, nicht ausgeführte Handlungen in die Sinnfrage integriert werden, öffnet sich die gewaltige Differenz von Bedeutung und Sinn.

Sinn ist in einer so unfassbaren Weise kontrafaktisch, dass man sich die Haare ausreißen könnte.

Pauschal gesprochen, grenzt sich Bedeutung von dem ab, was noch nicht gedeutet ist. Bedeutung trennt explizit Bedeutungen ab, die nicht mehr gelten, zeigt, wo Bedeutungen noch nicht oder nicht mehr zuständig sind, wo sie unpassend sind, Bedeutungen verdecken mögliche Bedeutungen. Bedeutung ist, wo für Zeit, Raum, für Soziales ……Notwendigkeit besteht. 

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Bedeutung versucht transparent zu sein, ist vielschichtig, mehrdeutig, verzweigt sich arbiträr, ist gestuft.

Sinn hingegen ist – ebenso pauschal gesprochen – mittels Bedeutung nicht immer abgrenzbar, ist großflächig, bildet Rizome, wuchert, durchdringt, ist klebrig, überwindet Grenzen, untergräbt, überbaut, überhöht, bindet ein, verbindet, zersetzt, trennt, schneidet ab, schließt radikal aus, schleicht sich ein, überzeugt, umfasst, legt Widerspruch ein, weist zurück, wird zurückgewiesen, abgewiesen, wird geliebt wie bekämpft.

Wie wir hier lesen können, bedarf der Sinn der Bedeutung, um sich selbst charakterisieren zu können.

Sinn ist auf seine Bedeutungsgrenzen hin nicht immer festlegbar, im Gegensatz zu der eher faktischen und einfacher handhabbaren Bedeutung

Dem Sinn entgeht nichts, nicht einmal das Sinnlose, das Ausgeschlossene, das Verlorene, das Wertlose.

Sinn stellt sich einfach ein, spektakulär, schmerzhaft oder schleicht sich unbemerkt ein, seine Bedeutung wird übersehen, bleibt unbemerkt, drängt sich nicht vor, oder übertön seine durchdringende Kraft. 

Sinn ist die Differenz von Sinn und Bedeutung: ein Paradox!

Bedeutung teilt die Welt, muss sie teilen, da in mehreren getrennten Welten der Sinn zu sich kommt.

Sinn fasst Welten in sich, wie Nikolaus Cusanus, auf seiner Reise nach Konstantinopel erkannte: Im Kleinsten ist die ganze Welt enthalten, dachte er. Immer wieder dachte er das und war wie besessen von diesem Gedanken.

Sinn wird nicht auf Parteitagen oder philosophischen, soziologischen Kongressen hergestellt. In jeder Kommunikation ist im Kleinsten die Sinnfrage als Ganzes enthalten, so würde ich Niklas Luhmann frei interpretieren. 

Im Modell der doppelten Kontingenz hält Kommunikation, im Persönlichen wie in den großen Fragen der Welt, die Optionen von Alter und Ego offen, auf die sich jede Kommunikation gegenwärtig einzustellen hat, um Sinn auszubilden.  

Bedeutung ist kleinteiliger, eindimensionaler, wie ein Puzzle, zeigt seine Funktionalität in seiner Semantik, Grammatiken, in Definitionen, ist horizontal organisiert, vertikal gestuft, das Ganze stellt sich ihm durch seine Teile dar,

während Sinn grossteilig, intentional sich gibt, implizit ist, sich ausbreitet, abschließt, sich verhärten kann und Vertikal -Spannung ( Sloterdijk) erzeugt, überspannt. 

Das Ganze ist in jedem seiner Teile impliziert. 

Sinn ist in seinen Abgrenzungen streitbar, wirkt extrem emotional. 

Im krassen Gegensatz zu seiner stark affekthaften Wirkung kann es als Vorgang unbemerkt bleiben. Skandal, Hysterie, Emotion, Gefühl und Affekte sind das, mit denen der Sinn sein Schweigen übertönt.

Sinn geht weit über die semantische Vernetzung von Bedeutung hinaus. 

Bedeutung wird genommen wie sie ist, sie kann ja umgeändert, umgedeutet, neu gefunden werden. Ihre Vielschichtigkeit und Verzweigtsein gefährdet sie nicht, es ist ihr Vermögen.

Bedeutungen werden zu Begründungen herangezogen, sie legen Grund, folgen der Zeit-Raum-Ordnung. Sinn hingegen kümmert sich selten darum, er äußert sich weit öfter im Unsinn, in Absurditäten, in Unlogik, in etwas, das dem Leben Vorrang gibt (Viktor Frankl). Sinn bringt Zeit in Form von Epochen hervor.

Sinn braucht keinerlei Begründungen, fällt zu, fällt an, ereignet sich und wenn er fehlt, wirkt Sinn trotzdem. 

Sinn wird gesetzt, intuitiv erfasst, schafft Geschichte, erzwingt Unterschiede, die erst gedeutet werden müssen, oder von Bedeutungen gezeugt werden. Einmal in seiner Bedeutung erkannt, wird Sinn zur selbstverständlichen Bedeutung, nicht leicht zu vergessen, kann aber beiseite geschoben, übersehen, überwachsen, uneinnehmbar, geheimnisvoll, unheimlich werden. 

Sinn fordert Opfer, ist existenziell, wird eingefordert, ist unerbittlich und unsichtbar. Sinn unterliegt Konventionen, Gewohnheiten, Usancen, wird erinnert, wiederholt, heruntergebetet um Bestand zu haben. Sinn ist die Anschlussfähigkeit in Kommunikation, ist Beständigkeit und Kontinuität. „Es ist und war immer so“, ist seine Überzeugungskraft. Kaum verloren stellt er sich wieder ein und wenn auch nur als Absurdität, als Haare raufendes Etwas, als Furie, als Verlust!

Bedeutung arbeitet mit Begründungen, mit Definitionen, Sinn mit Überzeugung, Gegnerschaft, Ausgrenzung, Widerspruch, Dialektik, mit Schmerz.

Dialektik weist auf die Begrenztheit von Bedeutungen hin. 

Die Überzeugungskraft von Sinn zeigt sich an seiner Bedeutung, als:

Evidenz, Glaubwürdigkeit, Gültigkeit, Zuständigkeit, Dauer, Gewissheit, Beständigkeit, Zusammenhang, Ursache / Wirkung, Bindung, Erfolg, Vereinbarkeit, 

sowie in deren Gegenteile, die mit Un-  und Ent-  sowie mit der Nachsilbe -los versehen sind (Un-gültig, Ent-Bindung, Erfolg-los ….) 

Wahrheit, Schein, Illusion, Lug wie Trug, Recht— wie Unrecht, Gesetz und dessen Bruch, Real-Wirtschaft, Geldwirtschaft, Performance, Realität, Phantasie, Unwirklichkeit und Chaos sind gleichermaßen sinnstiftend.  

Die Option zu allem Nein sagen zu können, ist sinnvoll, wird aber auch selbst gerne zurückgewiesen. 

Ausschluss- und Anschlussfähigkeit, Zu- wie Rück-weisung …. sind einige der Gegensätzlichkeiten, in denen sich Sinn manifestieren.

Problematiken, Katastrophen, Unglücke sind geradezu Produzenten von Sinn. Der Sinn erfreut sich an unserem Unglück so, dass man meinen könnte, er hätte große Lust an unserem Unglück. Dabei kann er sich auch einfach abwenden und ein einschmeichelndes Lied auf die Langeweile, Melancholie, Ennui, Tristesse, einen Fado singen .

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Ohne Vergessen keinSinn! ( F. Nietzsche)

Sinn ist jener Stoff, der allem Bedeutung zuweist sowie er Bedeutung entzieht.

Die sinnstiftende Dimension des Schlafes: Am Tag bestimmen uns Bedeutungen, die Nacht lösen wir diese wieder auf. Die Bedeutungen des Tages wären, ohne die symbolisierende Funktion des Traumes sowie die des Witzes und Humors unerträglich!

In jedem Gespräch, in jeder Geste, mit jeder sichtbaren Bewegung  – bedeutend oder unbedeutend vorgetragen – wird das Vertrauen in den Sinn – seine Art Gewissheiten zu erzeugen – aktualisiert. 

Sinn findet im Jetzt statt Kairos ist einer seiner Namen.

Die Bibel erzählt davon in der Pfingst-Geschichte der Emmaus-Jünger.

Sinn ist umfassend a-moralisch. Auch wenn Humanismus ein Sinnbereich ist, nach dem sich Menschen richten, ist der Sinn in keiner Weise humanistisch. Sechs Millionen Tote oder die Vernichtung der Erde gehören zum Repertoire von Sinn, auch wenn uns das noch so unsinnig erscheint und verzweifeln lässt. 

Die Bedeutung gibt sich mit solch fatalistischen Feststellungen nicht zufrieden und versuchte Ereignissen wie Kriege und Menschheits-Katastrophen doch noch Sinn abzugewinnen.

Sinn, ist des Teufels Advokat, der hinterhältig fragte, wieso Gott das Böse in die Welt setzte.

Ja, Sinn ist das, was vor Nietzsches Verkündigung Gott bzw. die Sonne war.

Bedeutung zeichnet sich jedoch durch seine Unterscheidungen, seine Gliederungen, seine Vernetzungen, Ortungen, Vergleichbarkeiten, Angleichungen, aus. 

In theologischen Konstrukten sind für die Bedeutung Engel und Genien zuständig, die – ähnlich den Zwergen – für abgegrenzte Aufgaben geschaffen wurden, während Gott das Ganze, den Sinn im Auge hatte.

Sinn braucht keine Grammatik, Semantik. Er ist ungeordnet, chaotisch, ist in seiner Konsequenz Anarchismus!

Sinn will besitzen, Welt belegen, nimmt sich, kolonialisiert, wertet. Sinn tut etwas, das sich nicht so einfach ändern lässt, das nicht einfach umgedeutet werden kann, auf das man immer zurückkommt. Ist ein neuer Sinn verbreitet, wird der alte überschrieben, in seiner Bedeutung abgedrängt, geschwächt, verunsichert. Dessen Werte und Orientierungen sind später oft schwer ortbar, nicht mehr erkennbar, wie die vom Kolonialismus überzogenen Kulturen später schwer nachzuvollziehen sind. Wie das Christentum, das über seinen Erfolg sich überflüssig machte. In verlorenen und unerfüllbaren Werten und Idealen blitzt gelegentlich die Qualität von Sinn auf.

Sinn will „scheinbar“ gelebt werden, auch wenn der sich nie ganz ausleben kann.  Seine Gültigkeit und Überzeugung hat etwas mit Lebensvollzug zu tun. Sinn ist wie Leben, das sich in das Unbelebte einschleicht und dann nicht mehr aufhört zu sein, bis es so etwas wie die Menschen hervorbrachte, die „dem Fluch“ des Sinns wie der Unerbittlichkeit des Lebens ausgesetzt sind.

Der Rausch wie die schwindende Lebenslust sind Gesichter des Sinns.

Die Herkunft des Sinns ist ein jener Abgrund, den dieser bedeutend zu überbrücken sucht.

Keiner fragt dich, ob Du auf die Welt kommen wolltest, keine fragt, ob du sterben willst oder weiterleben möchtest, ob dir Glück oder Unglück widerfährt.

Der Sinn befördert das Überbordende, himmelhoch Jauchzende, wie die tiefste Depression. 

Sinn ist schneller als jeder Augenblick, sein Nachher scheint vor dem Vorher angekommen zu sein, das macht ihn zum, Aus-der-Zeit-Gefallenen, zum schier Unbeschreiblichen.

Sinn kann man sich wie ein Doppelkopf-Wesen vorstellen. 

Die eine Seite ist neutral, zeigt keinerlei Regung, sie verhält sich wie eine weiße NO-Maske, ist NICHTS. Die andere Seite ist mit allen nur möglichen Bösartigkeiten und Fratzen durchsetzt, ähnlich den buddhistischen Dämonen, die bei Umzügen den Gläubigen vorgeführt werden.

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Sinn schafft Geschichte, er überschichtet, vereist Sichten, verschleiert, setzt sie dem Vergessen aus, entreißt sie dem Vergessen. Sinn erzeugt – wie auch immer – Atavismen, deren Ursprung wiederum schwer zu orten sind.

Die Faszination Sinn mittels Kunst, Literatur, Film, Oper  lebendig, anschaulich, dramatisch sich ereignen zu lassen,

könnte damit zusammenhängen, dass vergangener Sinn schnell verblasst, sich schwer beleben lässt, wie ein Untoter weiterlebt. 

Scheinbar fällt ein großer Überschuss an Sinn an, der verarbeitet, eingeordnet, erzählt werden will, damit Autoren wie William Shakespeare, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Aleksandr Isaevič Solženicyn sich daran abarbeiten können? 

Sinn kommt nicht ohne Bedeutung, ohne Phantasie aus, die ihn konkretisiert, ihn den Realitäten und Phantasmen der irdischen Welt anpasst. 

Die Frage nach Realität, Wirklichkeit, nach dem Sein, nach Gott, nach Bedeutung sind vorwiegend seine Bereiche, denen die Bedeutungen zu Hilfe eilen.

Bedeutung braucht den Sinn, aus ihm leiten sich ihre Bedeutungen ab. Die notwendige Selbsterklärung von Bedeutung ist deren Sinn. Sinn schafft der Bedeutung Bedeutung auch außerhalb deren Selbstbegründung und Definition. 

Sinn gibt der Bedeutung vielschichtige, verzweigte sich überlappende Bedeutungen, schafft das Paradoxon, die Mehr- und Vieldeutigkeiten.

Märchen, Mythen, Dichtungen, Geschichten, Erzählungen, Lieder, musikalische Kompositionen, Opern, Theater, Tanzaufführungen, Filme, Medien, Foren im Netz sind ebenso sinnstiftend wie: 

Gespräche, Gemeinschaftsinitiativen, Feind- und Freundschaften, Partnerschaften, Streite, Feste, Vereine, Kooperativen, Gemeinden, Verwaltung, Institutionen, Zivilgesellschaft, Parteien, Kirchen, wie Proteste, politische Initiativen und Kriege.

Bedeutungen sind definiert, in Verordnungen, Gesetzestexten, wissenschaftlichen Abhandlungen, Begründungen, Erklärungen, Beschreibungen usw. abgefasst. 

Sinn hingegen stellt sich über die Pointe eines Witzes, über eine Erzählungen, durch ein Lied, bei Theateraufführungen, Ereignissen, Festen, über Gemeinschaft, über Symbolik, Architektur, Design, Mode, über den Personenkult, über Geld und Macht, über Geschichtsvermittlung, über Zukunftsaussichten, über Horizonte her.  

Rationalität, Logik sind Eigenschaften die der Bedeutung zuerkannt werden, sie haben seit der Aufklärung Konjunktur. Sinn beherrschtedie Zeiten davor, besonders das Mittelalter, die Renaissance, den Barock. Ohne Sinn keine Hexenverbrennung! 

Ohne Sinn wäre die Zeit an ihrem Ende angekommen!

DerSinn gibt der Bedeutung Bedeutung ( paradox)! 

Sinn ist unlogisch, a-logisch, von höheren Mächten besetzt, klassenspezifisch, überregional, global, völlig widersprüchlich, Sinn gibt sich inhuman, legt Hierarchien fest, stellt sie auf den Kopf, stürzt willkürlich Herrscher vom Thron, zerreißt alle Bindungen, heizt Liebe an!

An Institutionen, Organisationen, Verwaltungen, Ministerien, Schulen, Hochschulen, der Wissenschaft usw. kann die Differenz von Bedeutung und Sinn abgelesen werden. Zwischen deren Selbstbeschreibungen, Begründungen und ihrer sozialen Aufgabe klafft eine Kluft, die der Sinn reißt und überbrückt.

Sinnkonstrukte  (oft in ritualisierter Form), die sich in Sinnbereichen manifestieren, sind meist schwer zu knacken, aufzulösen, sie überleben ( wie Sinnsprüche, die irgendwie immer stimmen), wenn sie längst tot zu sein scheinen und ihre Funktionen nur mehr rudimentär erfüllen. Hingegen wird die Selbstbeschreibung von Bedeutungen einfach umgedeutet.

Sinnkonstrukte sind nicht mit Werten gleichzusetzen.

Sinn ist Sein und weist der Bedeutung das Seiende zu und nimmt es ihr wieder, würde Martin Heidegger sagen.


Historisch zeigte sich der Unterschied von Sinn und Bedeutung z.B. nach dem 2. Vatikanischen Konzil, als die Katholische Kirche nachvollzog, was die Reformation schon vollzogen hatte. Die Messe wurde nicht mehr auf Latein gelesen, sondern in der jeweiligen Landessprache.

Man war der Auffassung, wenn die Bedeutung der Texte und der Rituale den Gläubigen bekannt sind, könnten sie den Sinn besser verstehen. 

Diese Logik erwies sich als begrenzt. Die sinnbildende Kraft von Religionen – im besonderen der christlichen Religionen – ist im Schwinden, während die der Muslime an Faszination zunimmt….!?

Im Alltag ist Sinn der Klebestoff, der das Unvorhersehbare mit dem Vorhersehbaren verbindet und ein Weiterleben möglich macht, Kommunikation aufrechterhält. 


So ist sein Nähe zum Leben erklärbar. Leben, das oft der letzte Sinn sein kann, der ein Weiterleben möglich macht. (Viktor Frankl)

Die Menge an Gequassel, Gerede, an Dateien, Informationen, Neuigkeiten, um Sinn mit Unsinn voll zu stopfend ist – wie Popcorn – unbegrenzt.

Sinn ist mit Licht wie mit Dunkelheit vergleichbar. Ohne Licht keine Formen, das heißt keine Bedeutung. Ohne Dunkelheit kein Licht, das in diese eindringen kann, wie die Bedeutungen in den Sinn, wie die Form als Bedeutung aus der Dunkelheit aufscheint.

Eine Schüttung

Ich, Weltbild, Weltanschauung, Glaube, Religion,

Politik, Demokratie, Ideologie, Parteiung, 

Moral, Ethik, Werte, Geld, Recht, 

Bildung, Erziehung, das Aufstiegsversprechen der Moderne , Geschichtsschreibung, 

Körper, Gesundheit  Lebensalter, Ehe, Familie, Partnerschaften, 

Gesellschaften, Institutionen, Organisationen, Verwaltungen

Gemeinden, Städte, Regionen, Nationen, Staaten, globale Organisationen, 

Wissenschaften, Klassen, Rollen, 

soziale Funktionsbereiche wie der öffentliche und internationale Verkehr,

Techniken, die Industrie, die Real-Wirtschaft 

Medien ( traditionelle wie Zeitungen und TV, sowie die Neueren mit ihren Foren und Plattformen), das gesamte moderne Informationswesen, 

Design, Mode, Literatur, Bildende Kunst, Tanz, Musik, Oper, Theater, filmische wie erzählte Narrative, 

die Sprachen, Werbung,

Benehmen, Verhaltensformen, Erwartungseinheiten, Psychotechniken……….. 

All diese und noch mehr bilden Sinneinheiten – deren Bedeutung weitgehend in ihren Funktionen liegen, 

die nicht in ihren Beschreibungen, die nicht in ihren Begründungen (in deren Bedeutung) aufgehen. Deren Bedeutung niemand verstehen oder kennen muss, um daran teilnehmen zu können, um sie anzuwenden, um durch sie bestimmt zu werden.

Beispiele:

Ich muss ein Theaterstück, ein Musikstück, nicht in seiner vollen Bedeutung verstehen, um von ihm ergriffen zu sein.

Ich muss den Sinn eines Festes einer Vereinigung, einer Partei nicht ganz verstehen, um mitzumachen.

Ich bekomme Kindergeld – egal ob ich arm oder reich bin – vorausgesetzt ich habe ein Kind

Die Funktionen eines Autos, Flugzeuges, Satelliten, einer sozialen Plattform, der Sozialbeihilfe, des öffentlichen Verkehrs muss ich nur irgendwie kennen, damit ich diese nutzen kann.

Ein Sozialamt muss funktionieren, es muss aber keine karitative Zwecke erfüllen. 

Das Geldwesen in seinen Strukturen und Bedeutungen muss man nicht verstehen, um Geld ausgeben und einnehmen zu können.

Man braucht Rechte und Gesetz nicht zu kennen, um von ihnen abgeurteilt zu werden. 

In der Leitung einer Firma, einer Institution, eines Ministeriums muss ich keinen Fehler begangen haben um dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Demokratie ist nicht nur eine Organisationsform von Republiken, sondern auch ein Ideologie mit der vermeintlich undemokratische Staaten abgeurteilt werden können.

Die Zusammensetzung von Medikamenten muss man nicht verstehen, damit sie ihre Wirkung zeigen. 

Hören wir Nachrichten, nehmen wir das Gesagte als Tatsache, wir übersehen was aussortiert und nicht gesendet wurde, erkennen auch nicht, dass aktuellen Ereignisse alle Vorhergehenden abdrängen, unsichtbar machen.


Für all das oben aufgezählte gibt es Begründungen, die deren Transparenz behaupten. Letztlich aber geben nur deren Funktionen diesen Einheiten Sinn. 

Ihre Funktionen sind das, wodurch sie sich von anderen und ihrer Umwelt abgrenzen. 

Sinn geht im schaffen von Sinneinheiten und – noch allgemeiner – im Sozialen als Ganzem nicht auf. 

Das soziale Ganze selbst ist keine Sinneinheit, es hat kein Außen nur ein Anders sein, wie Natur, wie die Menschen, die als Ganzes nicht mit dem Sozialen zu verwechseln sind.

Sinneinheiten sind – wie Systeme – nur eine Form wie Sinn sich darstellt. Sinn ist ähnlich dem Lebendigen etwas, das überall eindringt alles verbindet, alles aufnimmt und anhebt, wie die Wurzeln eines Baumes, die die Fundamente eines Hauses anheben. Sinn belebt alles, das nicht Gedeutete wie das Gedeutete. Auch Tod und Verderben können ihm nichts anhaben, im Gegenteil sie befördern ihn!

Sinn und Bedeutung scheinen in ihrer Ausdehnung nahezu identisch zu sein, da das eine immer am anderen zu hängen scheint. Bei einer distanzierten Überschau scheint der Unterschied aber gewaltig zu werden: All das, was Bedeutungen nicht abzudecken vermag, bleibt dem Sinn. 

Alle offenen Optionen, alles nicht Wahrgenommene, Vergessene, Übersehene, die nicht realisierten Möglichkeiten deckt der Sinn ab. 

Das Elysium, in das uns Persephone hinübergeleitet ist ein Ort des Sinns, der Hades wäre als ein anderer zu benennen.

Das Vielschichtige, Mehrdeutige, Unlogische, die Emotionen und Affekte bedient der Sinn, wie deren Bedeutungen. Die Hierarchisierung der Bedeutung ist  flach gestuft, gegliedert, während der Sinn alle Stufen überspringt himmelstürmend -, wie in den Abgrund sich stürzend verhält, oder einfach gleitet!

Bedeutung macht sich sichtbar, hörbar, während Sinn schweigen kann, nahezu unsichtbar ist, sich um, über alles  legt, umschließt, eindringt, durchsetzt, abstößt, völlig launisch sich gibt. 

Scham, ein deutliches Echo des Sozialen in den Körpern, die im kindlichen und jugendlichen Körper sich besonders deutlich zeigt, ist die Macht des Sinns, der, ohne seine Bedeutungen zu benennen, die Körper in Beschlag nimmt, sie durchdringt und erst durch seine körperliche Reaktion auf mögliche Bedeutungen hinweist (In Scham wird die Doppeldeutigkeit von Sinn und Sinnlichkeit körperlich).

Im Altertum wurden dafür Figuren wie Teiresias, der Blinde Seher,  es wurde die Pythia im Orakel von Delphi befragt….

Funktion

Soziale Funktionen sind weitgehend das, was in der Moderne Sinn macht. Während die Moral, Ethik, Religion vorerst in den Hintergrund zu treten scheinen.

Soziale Funktionen zeigen heute deren Sinn nicht explizit, sondern darüber, dass etwas nicht funktioniert:

Die Nachrichten in den Medien berichtet darüber, wo Funktionen ihre Aufgaben nicht mehr fassen, regen an. daran etwas zu ändern.  

Dass dabei viele Nachrichten ausgelassen, einige präferiert, andere unbeachtet bleiben, widerspricht nicht der Tendenz soziale Gegebenheiten vorwiegend funktional zu formulieren und nur dann diese personenbezogen anzusprechen, wenn es um Verantwortung geht.

Der Versuch, über Identitäten dem Ich seine zentrale Rolle in der Moderne zu erhalten, ist nicht gescheitert aber als das einzig leitende Prinzip nicht mehr brauchbar. 

Außer bei Verantwortung, hier funktioniert die Identifikation von Person und Funktion noch in Übereinstimmung.  

Gruppenzugehörigkeit, Familienzugehörigkeit, Heimatliebe, Nationalstolz, Klassenzugehörigkeit, Sprachgemeinschaft, Kulturgemeinschaft, Parteien, Ideologien,  Aufstiegschancen, akademische Grade, Adel, Eliten, Trophäen, Idole, Stars, Vorbilder, Leistungsträger sind wohl immer noch treibende Kräfte, aber eben im Plural und damit austauschbar, funktional ersetzbar, wandelbar. „Einmal so, ein andermal anders.“

Die Bindung an Parteien hat rapide abgenommen, die Klassenzugehörigkeiten sind verwaschen. Ehen, Partnerschaften sind temporär. Durch den Wandel, durch die Ersetzbarkeit von Identitäten fühlt der Einzelne, das Individuum, sich befreit und gleichzeitig isoliert. Das hat zur Folge, dass der Einzelne sich für Vieles zuständig fühlt, was bis dahin auf Kollektive, Gruppen, Zugehörigkeiten bezogen werden konnte. Trotz der vielen zugänglichen Möglichkeiten für Identifikationen, für Identitäten – ob in Form von Wünschen, Phantasien oder ganz real bleibt einerlei – findet  eine Vereinzelung statt, wie sie bisher nicht denkbar war.( Eva Illouz) 

Die situative -, wie die selektive Beschleunigung  ( Akzeleration) von Bedeutungen (von Generalisierungen) wird inzwischen durch das Internet und KI verstärkt, das trägt zum permanenten Wechsel von Identitäten und Identifikationen bei, so dass der Einzelne sich vorkommt wie in einem Karussell, das sich immer schneller dreht. 

Die positiven Möglichkeiten durch die Wandlungsfähigkeit des modernen Ich: 

einmal Abenteurer, Weltenbummler, Pizzaverkäufer, Student der am Diplom arbeitet, Deutscher, der in Spanien lebt, Kenianer, der in Wien lebt, Liebespartner und Lebenspartner mehrerer Personen gleichzeitig, Vater und unentwickelter Jugendlicher in einem, E-Mountainbikes sowie Downhill-Fahrer, Taucher und Paragleiter im Sommer, Schie- und Snowbordfahrer im Winter, sozialversicherter Steuerzahler, Autofahrer, gelegentlicher Patient der chirurgischen Ambulanz, Studentenvertreter und Influenzer mit gefühlt Tausenden an Follower, gelegentlich Sänger und Slampoet, wenns beliebt, beiderlei Geschlechts…..

Das ist das Ergebnis der modernen, sozial funktional differenzierten Welt, die nicht mehr auf Wertesysteme aufgebaut ist, wie noch zu Max Webers oder Talcot Parsons Zeiten ( für die Werte zentral waren).

Was J.D, Vance Europa 2025 vorwarf – was aus Polen und Russland zu uns herüber echot – wir hätten die christliche Werte verloren, ist nicht ausschließlich eine Frage von Werten und Ideologien, sondern ein strukturelles Problem der modernen Konsumkultur, dem Amerika, Russland, Polen, China und die extrem rechten Parteien Europas wenig entgegenstellen können und wollen, außer sie greifen auf aggressiv regressive Mittel zurück.

Am Fortgang der sequenziell, situativen Generalisierung, die die Wahrnehmung und Erfahrung aus dem Besonderen ins Allgemeine hebt, aus der Vereinzelung ins Verbindliche, arbeitet das Bedeutende deutend am Sinn, an dessen Welt-Bildung.

Werte sind in Summen heute nicht mehr das, was den Sinn als Ganzes repräsentieren könnte. Werte sind nur ein möglicher Zugang zum Sinn, Funktionalität ist ein anderer.

Der Begriff Sinn bekam in der Soziologie Bedeutung aus Theorien, die die Geisteswissenschaften und Kulturwissenschaften von den Naturwissenschaften abgrenzen wollten. 

Beim Sinn gibt es kein Außen, alles ist ein Innen. 

Sinnkrisen zeigen ihre existenzielle Tiefe meist, wenn wir die materielle Welt unterschätzt haben. 

Industrialisierung, Erderwärmung, Energiequellen, Vorkommen von Mineralien, seltene Erden, Leitwährung… um nur einige jener Begriffe, die zur Zeit die Diskussionen bestimmen, anzuführen.     

Symbolische Generalisierung

Soziologisch gesprochen ist die symbolische Generalisierung jenes Element, durch welches Alter und Ego sich überhaupt verständigen können. Es ist eine Verallgemeinerung, die die sachliche, sich im Einzelnen verlierende Welt der Dinge, auf eine höhere Ebene hebt, um Verständigung zu ermöglichen. Die dann, auf dieser allgemeineren Ebene, über Missverständnisse weiter ausdifferenziert und angeglichen werden kann. 

Wie die kollektive Verständigung von Ego und Alter in Form  symbolisch generalisierte Kommunikation funktioniert, kann  anschaulich am Witz, an der Komik und dem selbstverständlichen Spiel mit Zweideutigkeiten spezifischer Alltagssprachen, der Dialekte und Idiome beobachtet werden. 

Komiker und Kabarettisten aller Nationen brillieren im Umgang mit dieser Mehrdeutigkeit von Sprache ( Karl Valentin, Puster Keaton und Charly Chaplin, Helmut Qualtinger, Gerhard Polt). 

Der Sinnbegriff wurde in der Soziologie lange nahe am Wertbegriff gebaut. Bedeutung und Sinn werden ineinander geblendet solange Wert und Sinn nahezu identisch gedacht werden. Sinns wurde in der Soziologie unter M. Weber auf die Bewertung von Handlungen angewandt, bei Talcot Parson wurden dann Systeme mit Wertkategorien verbunden. 

Als Kommunikation und Verstehen begrifflich ausdifferenziert wurden, Generalisierung, Typisierung, Symbolisierung über Sequenzierung untersucht wurden, beginnt sich Sinn von Bedeutung zu trennen

doppelt kontingent

Sichtbar wird der Unterschied von Sinn und Bedeutung  (und dessen Wertsysteme) mit der Einführung der „Doppelten Kontingenz“. Mit ihr kann die Brücke zwischen EGO und ALTER nicht mehr ausschließlich über verbindliche Bedeutungen oder Wertsysteme geschaffen werden. Verstehen muss immer mit einem Anteil an Nichtverstehen rechnen und mit einem NEIN!, mit dem Horizont der Uneinsichtigkeit in den Anderen. Da das  wechselseitig offen ist, spricht man von doppelter Kontingenz.  

In der potentiellen Uneinsehbarkeit des Anderen liegt die Differenz von Bedeutung und Sinn

Hierin eröffnen sich erst (soziale) Optionen. Soziale Optionen sind nicht die mehrwertigen Bedeutungen (semantische Dimension) von denen einige ausgewählt werden könnten, andere zurück bleiben. 

Soziale Optionalität eröffnet sich in Kommunikation durch das uneinsehbare Gegenüber, worauf sich Kommunikation in vielfältiger Weise einzustellen hat und eingestellt hatte. (unter anderem auch über gemeinsame Werte, die aber nicht so verbindlich sind, wie vermeintlich angenommen).

Die doppelte Kontingenz ist jenes Element, wo die Religionen in der Moderne ihren Zugang ins Soziale finden.

Die Auffassung, dass sich Sinn wie eine Mantel über die materiell dingliche Welt legt (Ilja Srubar) übersieht, dass die Dinge, Objekte, das Materielle selbst die sinngebende Zone der Bedeutungen durchschritten hatten. Sinn ist Einheit von Zeit und Welt einschließlich der materiellen Welt.

Überblick

Das permanente Ineinander-Blenden von Bedeutung und Sinn, das dauernde Gleiten, des einen in den anderen Begriff, soll über deren Unterschiede nicht hinwegtäuschen, über die viele Soziologen – auch, durch die englische Sprache verführt – hinweg-gleiten.

Wir sahen, wie die Kluft zwischen beiden Begriffen verkleistert, leicht übersehen wird, beide sich überblenden oder gleichlautend, gleichbedeutend angesprochen werden. 

Bedeutung neigt zur Eindimensionalität, die Frage nach dem Sinn lässt Mehrdimensionalität und Widersprüchlichkeiten zu, die nicht auf einen Nenner zu bringen sind, die als fehlende Bedeutung gedeutet werden müssen. 

Das „sowohl als auch“ kommt dem Sinn entgegen während die Bedeutung Richtung Eindeutigkeit steuert.

Dem Sinn sind  alle Unwägbarkeiten zuzuweisen für die die Saint Opportune, die Fortuna, die Nornen und all die andere Schicksalsgottheiten angerufen werden. 

Dem Sinn ist aber auch immer die Möglichkeit offen, zu allem NEIN zu sagen ( wie Faust, der sogar zum Tode Nein! sagte), bzw. wie Bartleby es ausdrücken würde: „Ich würde es vorziehen, nicht zu tun“.

Traditionell waren für die Kluft zwischen Bedeutung und Sinn die Religionen, die Weltanschauungen (auch die Kunst) die Ethik und Moral, Ideologien, die Kunst, die Musik, der Tanz, deren Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit zuständig. 

An dem Spalt zwischen Bedeutung und Sinn haben sie ihre Fähigkeiten ausgebildet, diesen symbolisch zu überbrücken. Ihre Angebote, das Unwägbare, das Unwahrscheinliche abzufangen, erfüllten im Leben die Fortuna, Persephone, die Nornen, all die Heiligen, all die Wertsysteme, die sozialen Funktionen und was es heute so geben mag ( Haartracht, Rock und Pop, Kleidung, Freizeit, Konkurrenz, Intelligenz…)  die dem isolierten ICH ssuhilfe eilen. 

In dem Zusammenhang ist äußerst bemerkenswert wie die christlichen Religionen ihre Anziehungskraft scheinbar eingebüßt haben ( außer bei J.D. Vance und Peter Thiel), die  oslemische in der modernen ausdifferenzierten individualisierten Welt aber äußerst attraktiv erscheint.

GL

Veröffentlicht von glierschofat

ein Zeichner, der gerne überzeichnet Vorsicht kann zur Satire gerinnen war Schüler und Mitarbeiter von Joseph Beuys & Bazon Brock

16 Kommentare zu „SINN oder / und BEDEUTUNG?

  1. Ich musste heute spontan an einen Liedtext von Beth Hart denken. Sie beschreibt darin einen Vogel mit nur einem Flügel, der fortfliegen möchte – und sich doch immer nur im Kreis dreht. Ein schreckliches Bild. Natürlich.

    Du stellst nicht einfach die Frage nach Sinn. Du definierst – und definierst – und definierst. Das kann man tun.

    Seit mehr als fünfzig Jahren diskutiere ich über Toleranz und Intoleranz. Dabei ist mir eines klar geworden: Manche Begriffe existieren nur durch ihre Gegenbegriffe.

    So wie sich Toleranz und Intoleranz gegenseitig ausschließen, so schließen sich auch Sinn und Unsinn aus. Ein Sinnbegriff, der auch seinen eigenen Verlust vollständig absorbiert, zerstört die Differenz, aus der Orientierung entsteht.

    Wenn alles Sinn ist, gibt es keinen Maßstab mehr. Dann bleibt nur Beliebigkeit.

    Sinn braucht Nicht-Sinn – so wie Kunst Nicht-Kunst braucht.

    Und ja: Es gibt Nicht-Kunst. Und es gibt schlechte – oder zumindest schlecht gemachte – Kunst.

    Ein Begriff, der alles einschließt, schließt nichts mehr aus. Und ein Begriff, der nichts mehr ausschließt, orientiert nicht mehr.

    Dein Christoph

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    1. Lieber Christoph!

      Mit dem im Kreis drehen hast Du völlig recht.

      Es ging nicht um den Gegensatz Sinn oder Nicht-Sinn

      sondern um die Unterscheidung Bedeutung / Sinn

      und deren Überschneidungen.

      Grüße aus den Tiroler Bergen

      dein

      Günter

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  2. Lieber Günter,

    danke für Deine Klarstellung – dass es Dir primär um die Differenz zwischen Bedeutung und Sinn geht, ist mir schon bewusst.

    Mein Einwand zielte auf eine Konsequenz, die sich für mich aus Deinem Text ergibt:

    Wenn Sinn auch Unsinn, Sinnverlust und Negation vollständig integrieren kann, dann stellt sich die Frage, ob der Begriff noch eine orientierende Differenz bildet.

    Meine Sorge ist, dass ein Sinnbegriff, der seine eigene Negation absorbiert, die Grenze verliert, aus der Orientierung überhaupt entsteht.

    Dann wird Sinn eher zu einem allumfassenden Horizont als zu einem unterscheidbaren Begriff.

    Hierin liegt unser kleiner Unterschied. Du denkst Sinn stärker als umfassenden, vielleicht sogar mehrdimensionalen Horizont, während ich ihn eher als orientierende Differenz verstehe.

    Wo du auflöst, suche ich nach Orientierung.

    In meinen Gedichten und bildhaften Arbeiten tue ich allerdings oft das Gegenteil. Dort verschiebe ich gerade, Sinnordnungen oder dekonstruiere.

    Das macht es ja so spannend. Die Kunst darf zeigen, wie brüchig Ordnungen sind, während ich in der theoretischen Diskussion nach den Differenzen suche, die Orientierung überhaupt erst ermöglichen.

    Liebe Grüße
    Christoph

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    1. Lieber Christoph!

      Danke für deine interessanten Anmerkungen und Einordnungen!

      In meinen Ausführungen überbrückt der Begriff der Bedeutung die Kluft zwischen dem was Sinnhaft ist und dem was erst Sinn bekommen wird.

      Bedeutend ist dann was aus räumlichem, zeitlichem, sozialem Blickwinkel – unterschiedlich – gesehen werden kann.

      Trennt man Sinn und Sinnlos so schwindelt man immer Kategorien ein die festlegen wann etwa sinnvoll ist und wann nicht.

      Der Sinn – das wollte ich zeigen – ist aber wie ein Sog der alles in sich hineinzieht, der jegliche Kategorie – weder Gut noch Böse – von sich weist, da

      der er sie ( wie Geist, oder Gott) alle selbst setzt!

      Insofern ist die Sinnfrage wie Theologie und wie das Wesen Gottes unnahbar, oder wie die Juden sagen: Gott hat Tausend-und-einen-Namen !

      Die Unterscheidung Sinn/ Bedeutung ist desshalb auch wichtig , da sie im Englischen fasz nicht zu unterscheiden ist, Englisch aber die

      Kongresssprache ist, in der das Thema abgehandelt wird……. verstehst Du welche Dimension sich da auftut?

      Grüße aus den Bergen um Innsbruck

      Günter

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  3. Lieber Günter,

    danke für Deine ausführliche Antwort und die weiteren Erläuterungen.

    Du schreibst: „Der Artikel kann nicht einfach ins Englische übertragen werden. Es bedürfte dafür eines eigenen Textes, der den Unterschied von deutschem Sinn und englischem sense detailliert herausarbeitet.“

    Hier zeigt sich sehr schön, wie stark Begriffe auch an die kulturelle Eigenart einer Sprache gebunden sind.

    Wenn Du den Sinn als einen „Sog“ beschreibst, der alle Kategorien in sich hineinzieht und selbst setzt, dann bewegst Du Dich tatsächlich auf einer Ebene, die – wie Du selbst andeutest – an Theologie erinnert: an das Bild Gottes mit seinen tausend Namen und an die alte, nie abschließend beantwortbare Sinnfrage.

    Manche Dinge entziehen sich der begrifflichen Begründung.
    Es ist ein wenig wie mit dem Bodensee:
    Warum heißt der Bodensee eigentlich Bodensee? Er heißt einfach so.

    Es sind Eigenarten dieser Art, für die wir oft eigene Kategorien oder vielleicht sogar andere Dimensionen benötigen. Manchmal finden wir Bilder, die das Unbegreifliche zumindest andeuten können – etwa die Salzbrezel, die als Symbol der Dreifaltigkeit gedeutet werden kann.

    Ein weiterer Punkt ist der subjektive Standpunkt. Dem Atheisten ist der religiöse Sinn fremd. Dem Moslem liegt der Sinn in der Unterwerfung, dem Buddhisten im Nirvana, dem Juden in Gott selbst. Der Christ findet Sinn in Gott, im göttlichen Geist in allen Dingen und Dimensionen und in seiner Menschwerdung.

    Welche Bedeutung daraus jeweils erwächst, ist wiederum subjektiv.

    Der Maßstab entsteht letztlich aus der Positionsbestimmung zwischen Absurdität und Chaos.

    Was wir schaffen, sind vielleicht nur Fragmente nicht zu Ende gedachter Gedanken (Ganymed, 1974).

    Herzliche Grüße
    Christoph

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  4. Lieber Günter,
    nachdem ich unseren Brief noch einmal gelesen habe, fiel mir auf, dass ich Dir etwas Entscheidendes schuldig geblieben bin.

    Das ‚Ganymed‘, von dem ich am Schluss sprach, ist kein theoretisches Konstrukt – es ist ein Stück, das ich mit 18 geschrieben und bei unserer Abiturfeier 1975 aufgeführt habe. Es wurde damals mit Standing Ovations gefeiert und blieb danach liegen.

    Ich möchte es Dir als PDF zuschicken (dazu brauche ich deine e-mail-Adresse). Es ist roh, absurd, stellenweise fast unerträglich – genau wie manche Gedanken, die wir nicht zu Ende denken können.

    Lies es nur, wenn Du Lust hast und Zeit.

    Wenn nicht, liegt es einfach da.

    Herzliche Grüße
    Christoph

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    1. ICH HABE IN GABYNED HINEINGELESEN. ein interessanter Text eines jungen Mannes die viele Fähigkeiten aufreißt ….mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen, müsste mich intensiver damit auseinandersetzen, was gerade nicht geht
      Günter

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  5. immer noch lesend. mindestens sowie mehr als 10 X mal probierend und versuchend: auch hier einen kommentar zu hinterlassen, in der erwartung, dass darauf geantwortet oder reagiert wird. sogleich sofort zum »handbuch« gegriffen wird, wie dies am allerbesten zwischen den »öffentlichen und privaten« interessen heutzutage per wordpress funktioniert, d.h. in den luhmannsschwarzehefte.com universum. in erster linie, um kein @email, keinen brief, keine postkarte extra senden zu müssen oder dich direkt im atelier in salzburg aufzusuchen

    entschuldige bitte, die zahlreichen fehler und lücke im text

    geradewegs, um dir mitzuteilen, dass ich vorher zu einem anderen buch begriffen hatte: Jochen Hörisch »BEDEUTSAMKEIT« über den Zusammenhang von Zeit [t], Sinn [s] und Medien [m], die lesenswerte untersuchung mit einem älteren datum, wie ich meine, ich denke, ich sehe, ich schlage nach: 2009 veröffentlicht: wie, ja sein und sinn ein »rendezvous« haben können, welches eine halbwegs dauerhafte bindung in aussicht stellt – ist die leitfrage der beschriebenen untersuchung auf knapp 416 seiten die semiologie fragt nach der logik der zeichen, der bedeutung des sinns. die ontosemiologie fragt danach, ob [man sagte mir im studium in bielefeld „ob“ sei kein fragewort für eine untersuchung – {so etwas sitzt selbstverständlich und natürlich tief im körper, man spürt es quasi sofort – diese prägende sozialisation} – dies wird sofort wieder erinnert, beiseite gelegt, denn hier geht es nicht um mich, sondern um SINN und/oder BEDEUTUNG, ein typisches Thema] : gegebenenfalls wie die logik des seins und die logik des sinns zusammenfallen_ weiter behandelt werden: d.h. keine fragen mehr zu stellen, sondern antworten zu liefern: {wache ich zum beispiel auf, öffne oder schlage die augen auf, dann sehe ich gar kein bild in farben. kein foto, keinen film; egal, inwieweit nicht etwas, welches dies kino, fernsehen, video oder livestreaming ist oder sein könnte. helligkeiten, formen und weiteres eventuell, ich höre. rauschen, surren,straßenlärm, das kreischnên der flexmaschine habe ich diese teile (möglicherweise eines ortes, bildes, vokals, der töne sowie empfindung ein neuer tag) noch gar nicht benannt und erkannt, um es zu sehen und erkennen zu können, um der von dir hier

    @gunterlierschof etc. auch kommentiert beschriebenen logik in »briefen« zu foIgen

    sehe ich das bild auch nicht wie einen (eher analogen) fotoapparat, durch ein objektiv; in welches ständig gelächelt und gewungen werden kann per zoom oder anderer anwendungen. ich „dümple“ aus »traumschlaf« gerissen in die realität, die wirklichkeit, die tatsächlichkeiten, die an einem ort vorhanden sind, wo ich schlafe bzw. geschlafen habe. ich bin mir eventuell bewußt was ich sehe; ohne dessen bedeutungen im einzelnen aufgerufen zu haben oder aufrufen zu müssen, da ich diese so verinnerlicht habe bzw. verkörpert sind [so daß ich dafür gar kein zusätzliches »bewußtsein« mehr aufzurufen habe. es kann sogar sein, dass ich aufwache, die augenlider öffne und „alles“ sehe, aber nicht, d.h. soll heißen gar nicht weiß, wo ich bin, erst langsam begreife, wo ich mich befinde, an welchem ort ich bin oder sein könnte usw.] https://luhmannsschwarzehefte.blog/2022/08/20/nachtrag/ Das klar umrissene Bild geleitet dich im Aufwachvorgang und ordnet sich so in ortbare »Bedeutungshorizonte« ein, die in einen Vortrag und Nachtrag differenziert sind, die sich darstellen:

    Drücke die Leertaste, um das Spiel zu starten

    Versuche Folgendes:

    • Netzwerkkabel, Modem und Router prüfen
    • WLAN-Verbindung erneut herstellen

    ERR_INTERNET_DISCONNECTED

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  6. Lieber Günter,

    danke fürs Hineinlesen. Der Text ist tatsächlich sehr früh entstanden, und vieles darin ist spontan und frisch, jedoch nicht unreflektiert. Beim Wiederlesen fällt mir auf, wie sehr er von plastischen Bildern und Metaphern getragen ist, die eher intuitiv entstanden sind, aber in erstaunlicher Weise auf Fragen zielen, über die wir jetzt sprechen.

    Mein Ganymed von 1974 enthält rückblickend bereits viele Motive, die auch in unserer Diskussion über Sinn, Bedeutung und Orientierung auftauchen. Vor allem dieses Dazwischen – weder ganz in der Ordnung der Begriffe noch im völligen Auflösen derselben – hat mich damals schon beschäftigt.

    Ich schrieb dort: „Wir versuchen uns zu verstehen und verstehen uns selbst nicht einmal.“
    Das ist vielleicht tatsächlich die Gegenposition zu deiner Denkbewegung.

    Beim Wiederlesen habe ich den Eindruck, dass ich Sinn nie als einen alles umfassenden Horizont verstanden habe, sondern eher als etwas Fragmentarisches, das sich gerade im Scheitern von Orientierung zeigt und sich nicht vollständig integrieren lässt.

    Du beschreibst Sinn als einen Zusammenhang, der letztlich alles in sich aufnehmen kann, sogar seine eigene Negation. Mir scheint dagegen, dass Sinn nur dort erfahrbar wird, wo Differenzen bestehen bleiben. Wenn alles Sinn ist, verliert der Begriff für mich seine orientierende Kraft.

    In diesem Sinne stehen unsere Überlegungen vielleicht nicht im Widerspruch, aber sie bewegen sich in unterschiedliche Richtungen:
    Du denkst Sinn vom Ganzen her, ich eher von der Grenze her, an der Orientierung überhaupt erst notwendig wird.

    Beim Wiederlesen meines alten Textes hat mich überrascht, wie deutlich diese Bewegung schon damals angelegt war.

    Herzliche Grüße
    Christoph

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  7. Dein Text ist dem Alter entsprechend. Es fehlt noch viele an Erfahrungen, die Welt wird gefüllt mit intelligenten Spielen und mit vorgetäuschten Haltungen. Die Sinnsuche dieses Alters hat etwas von Heroik mit Pappschild…

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  8. Lieber Günter,

    danke für deine Rückmeldung zu meinem Ganymed.

    Beim Lesen deiner Antwort ist mir deutlich geworden, dass wir den Text von grundverschiedenen Voraussetzungen aus betrachten.
    Was für dich vor allem als altersbedingte Unreife erscheint – eine erstaunlich paternalistische Einordnung – , war für mich damals wie heute ein riskanter Versuch, unter unsicheren Bedingungen Orientierung zu finden.

    Differenz und Erfahrung sind für mich weniger eine Frage des Alters als eine des Zugangs.

    Ich denke, dass wir auch im weiteren Sinn unterschiedlich mit der Frage nach Orientierung umgehen.

    Wenn feste Unterscheidungen vorschnell aus intellektueller Selbstgenügsamkeit relativiert werden und jede Ordnung vor allem unter Problemverdacht steht, entsteht leicht eine Haltung abgeklärter Relativierung, in der sich kaum noch begründen lässt, warum überhaupt etwas gelten soll.

    Eine solche Totalrelativierung führt nicht zu größerer Freiheit, sondern zu einem Verlust an Orientierung.

    Wo Maßstab nicht ernst genommen wird, bleibt am Ende Beliebigkeit. Darin liegt das eigentliche Problem.

    Unter diesen Voraussetzungen sehe ich im Moment keine wirkliche Grundlage für ein weiterführendes Gespräch darüber.

    Ich lasse es deshalb an dieser Stelle gut sein.

    Herzliche Grüße
    Christoph

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  9. lieber Christoph!

    Wer hier jetzt Totalrelativierung betreibt!

    Meine Leseart deines Textes ist in keiner Weise eine Abwertung.

    Im Alter um die 20 neigen wir gerne zu stilisierten Haltungen, an denen wir uns zu orientieren suchen. Dein Text ist voll davon.

    Dieser übertriebe Idealismus und Moralismus ist ein Privileg der Jugend. Bei älteren Mensch sind diese Haltungen meist einer nüchternen Betrachtungsweise gewichen.

    Jede hat ihre Qualitäten.

    ich weiß nicht wiviel Zeit zwischen dem Text und deinem Jetzt liegt,

    aber wenn Du daran anknüpfen möchtest, würdest Du den Text sicher ganz anders angehen, oder?

    Grüße aus den Bergen

    Günter

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